Mayer Automaten

berichtet vom VNEA 8-Ball Worldcup Pool

aus Las Vegas

 

 

Gamblers spielen glücklos – Cowboys

sterben einsam

 

Die zehn deutschen Poolbillard-Pistoleros des Mayer-Automaten Ligaspielbetriebes machten den rund 5 000 Akteure beim VNEA 8-Ball Worldcup vom 27. Mai bis 2. Juni im Poolbillard keine Angst. Die deutschen Spieler wurden von der schier unbegrenzten Menge und Macht der Queueartisten aus Amerika regelrecht überrannt.  „Man ist eigentlich chancenlos!“, gewannen die Gamblers und die Cowboys zumindest an (dieser) Erfahrungen.

 

Las Vegas – das bedeutet Ende Mai im Jahr 2001 Wüstensonne satt. In Nevadas brannte sie diesmal lichterloh. 35 Grad Celsius. Natürlich im Schatten, wo auch sonst sollte man nachts solche Temperaturen messen. Ein Glück, daß es tagsüber kaum wärmer wurde. Nur zwei bis drei Grad erhöht sich die Luft bei Tageslicht. Aber immerhin: Knappe 40 Grad!

Las Vegas - das bedeutet auch heiße Shows. Alle großen Stars des Showbiz lockt die Retortenstadt an. Shows der Superlative sind Tagesgeschäft. Große Events wie Boxkämpfe um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht nur das „i-Tüpfelchen“!

Las Vegas – das bedeutet Glamour. Hier scheint alles mehr als es ist. Als Weltmetropole des Gamblings verkörpert Las Vegas die Bauwerke der Sonderklasse aus aller Welt auf einem winzigen Fleck Wüstenboden.

 

Lady Luck

 

Las Vegas – das bedeutet auch Glück. Oder die Suche nach dem Glück. Und das setzen die Amerikaner mit Reichtum gleich. Mit materiellem Reichtum. Je mehr, desto besser. Allein von dieser Idee lebt Las Vegas. Um dieses Glück zu finden, haben die Amerikaner das Ende des Regenbogens, an dem sich bekanntlich ein Schatz befindet, durch unzählige Slot-Maschines, zahlreiche Roulett- und nicht minder weniger Black-Jack-Tische ersetzt.

Las Vegas – das bedeutet eben Illusion. Man macht sich hier etwas vor. Das gilt für fast alle Spieler, die hier ihr „Kleingeld“ in „Big Money“ wechseln wollen.

Las Vegas das sind eben viele Gamblers. Davon kommen auch einige aus Deutschland, ein paar sogar aus Schweinfurt. Die aus Schweinfurt versuchen seit Jahren ihr Glück - Jahr für Jahr. An den Pooltischen.

 

Gamblers

 

Denn die Rede ist von den „Gamblers“ aus Schweinfurt aus der Mayer Automaten-Liga, die in Deutschland den DSAB-Ligaspielbetrieb in einzigartiger Weise beherrschen. Schon achtmal haben sie die Deutschen Liga Mannschafts-Meisterschaften gewonnen – und genauso oft wollten sie in Las Vegas den ganz großen Coup landen. Gerade in diesem Jahr hatte man sich topfit gefühlt. Selbst Gerhard Werner, der sich am Tag der Abreise noch wegen eines Handgelenksbruches ambulant im Krankenhaus behandeln lassen mußte, aber seine Kumpels nicht im Stich lassen wollte.   

Zum ersten Spiel mußte man gegen die „Olympics Billiards“ ran. Eine selbstbewußte Truppe aus dem kanadischen Ontario, die gleich in der ersten Runde der Begegnung (die ersten fünf von maximal 25 Spielen) mit 43:21 für vorentscheidende Verhältnisse gesorgt hatte, um dann nach drei Runden, also 15 Spielen, den Vorsprung auf 120:69 maximiert zu haben. Doch die Gamblers schlugen zurück und gewannen in der vierten Runde alle Matches, Gerhard Werner sogar 10:0, und kamen auf 119:136 bedenklich nahe heran. Doch dieser Zwischenspurt konnte nicht in einen Endspurt-Flow übernommen werden, und so ging die Partie mit 149:165 letztendlich verloren.

Ein harter Schlag für die Gamblers, die sich soviel, zumindest einiges mehr vorgenommen hatten. Damit standen sie mit dem Rücken zur Wand, und schon das nächste Spiel am nächsten Tag mauserte sich gezwungener Maßen für sie zum „Endspiel“, zumindest ging es um alles (Weiterkommen) oder nichts (Rien ne va plus!).

 

Game over

 

Gegen die „Sportsmen“ aus Columbus/Ohio gelang den Gamblers zumindest ein besserer Start. Mit 47:28 sah es zunächst sogar sehr gut aus, denn lediglich Wolfgang Klöhr mußte seine Partie 7:10 abgegeben, indes gewannen Gerhard Werner (10:3), Daniela Husseneder (10:5), Daniel Erdmann (10:6) und Frank Lauerbach (10:4) solide. Leider wollte der Rest nicht mehr so gelingen und von den folgenden 16 Partien vermochten die Gamblers nur noch vier für sich zu entscheiden - viel zu wenig. Erfolgreich waren zweimal Daniela Husseneder und je einmal Gerhard Werner sowie Wolfgang Klöhr.

Teammanager Oliver Bandorf sieht es so: „In den USA spielt man Poolbillard mit anderen Vorzeichen. Erstens müssen alle deutschen Teams in der höchsten Kategorie antreten – ganz unabhängig von ihrer tatsächlichen Spielstärke. Zweitens wird Kneipenbillard pur gespielt – hart und erbarmungslos. Fair play ist ein absolutes Fremdwort! Hier wird mit allen Mitteln, Harken und Ösen, gearbeitet und allein der Sieg zählt!“

 

Las Vegas ein Erlebnis

 

Trotzdem ist Las Vegas ein großes Erlebnis – auch für die Vielflieger Gamblers. Denn einen solchen Event gibt es kein zweites Mal. Poolbillard mit rund 5 000 Spielern an über 200 Tischen. Apropos Tische – hier wird an 6-Fuß Tischen gespielt. Die Amis sind es gewohnt. Für sie sind 9-Fuß Tische schon wahre Snookermöbel. Die Deutschen brechen sich dagegen an den „Mini-Tischen“ das Genick. Den Amis kann es nur recht sein. Den Kopf stecken die Gamblers trotzdem nicht in den Sand. Zunächst wollen sie den neunten nationalen Titel einheimsen und dann einmal alle Amerikaner in Las Vegas „breaken“. „Die Motivation ist immer wieder groß!“, sind sich die Gamblers einig, auch wenn sie zugeben „man ist auch wieder froh, wenn es vorbei ist!“

 

Das erste Mal für die Cowboys

 

„Das erste Mal“ war es für die „hartgesottenen“ Comboys – ebenfalls aus Schweinfurt und ebenfalls aus der Mayer Automaten-Liga. Am fünften Spieltag Highnoon – da mußte sie sich dem ersten Duell stellen, und zwar den „On the snap – Ruby“ aus Dayton/Ohio. Und da wurden sie gleich aus dem Sattel geworfen. Nach 18 von 25 möglichen Spielen war der Ritt in der Wüste Nevadas zu Ende. Mit 163:77 wurde deutlich, daß die Guys aus Ohio in einer anderen Liga spielen. Lediglich Markus Mutschler und Thorsten Endres war ein Sieg vergönnt, Klaus Siller indes sogar zwei – aber das reichte natürlich vorn und hinten nicht. Siebeneinhalb Stunden später trafen die Cowboys auf „Billard Spirit Café“ aus Minnessota. Auch hier erging es den deutschen Akteuren nicht viel besser, aber immerhin vermochte man sich selbst auf 101 Punkte zu steigern, während die vergeistigten US-Billardspieler 162 zusammenrafften. Als erfolgreichster Spieler mit drei Siegen empfahl sich Ronald Görlinger. Ebenfalls in besserer Spiellaune mit zwei gewonnenen Begegnungen machte Heinz Schonunger auf sich aufmerksam, während Klaus Siller und Thorsten Endres zumindest einmal erfolgreich waren.

 

Vier Matches – das war’s?

 

Vier Spiele – das war’s für die DSAB-Teams! Da sei die Frage gestattet: „Ob sich der ganze Aufwand lohnt?“ Natürlich ist auch eine Antwort zulässig und die kann keiner besser als die Beteiligten selbst geben: „Und ob...!!!“

So sei auch Löwen Entertainment gedankt, die diese Reise für die DSAB-Teams mit möglich machten. „Wir freuen uns immer, wenn wir dem DSAB und seinen Akteuren Hilfestellung geben können!“, so Helmut Schneller als „Löwe“ aus Bingen.

In Las Vegas war die Pool-Sonne noch längst nicht untergegangen, denn mit Daniel Erdmann sowie Daniela Husseneder trauten sich noch zwei, an den Einzelwettbewerben teilzunehmen. Während Daniel Erdmann auch hier stark gebeutelt den Wettkampf beenden mußte, lief es für Daniela Husseneder merklich besser, auch wenn sie trotz 4:1 Führung ihr erstes Match noch 4:5 abgeben mußte, tankte sie sich Schritt für Schritt durch die Verliererrunde. Beim Spiel von 5 auf 4 ereilte sie allerdings ein ähnliches Schicksal wie in der ersten Begegnung, als nun ihre 3:0 Führung in eine 3:4 Niederlage umgemünzt wurde. Schade!

Aber last but not least gaben Daniela Husseneder und Daniel Erdmann im Scotch Doubles eine ganz starke Visitenkarte ab. In diesem Wettbewerb, bei dem nach jedem Stoß gewechselt werden muß, scheiterten sie erst im Finale – selbstredend an der amerikanischen Vormachtstellung.     

 

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